Richtiges Verhalten bei Messer- und Blankwaffenangriffen – Teil 1
- Alex

- 21. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
HINWEIS: Das Thema „Amok- Terrorlage mit Messern“ wird in meinem Buch Run. Hide. Fight. ausführlicher behandelt – unter anderem mit Blick auf Entscheidungsfindung unter Stress, Täterverhalten und mentale Vorbereitung. Dieser Artikel kann keine Ausbildung ersetzen, aber er kann helfen, realistische Erwartungen zu entwickeln und in einer Extremsituation nicht völlig unvorbereitet zu sein (hier erhältlich).
Messer und andere Blankwaffen gehören zu den am häufigsten eingesetzten Tatmitteln bei Gewaltdelikten – auch und gerade bei „Active Shooter“ Lagen (ja, zählt laut offizieller Definition des DHS dazu, auch wenn nicht geschossen wird). Sie sind leicht verfügbar, unauffällig zu tragen und innerhalb von Sekunden tödlich. Genau das macht sie so gefährlich – und genau deshalb werden sie immer wieder eingesetzt.
Sowohl bei spontanen Gewalttaten als auch bei Anschlägen im öffentlichen Raum, wie zuletzt immer wieder u.A. immer wieder in Deutschland und -erst vor wenigen Tagen- auch in meiner Wahlheimat, Bangkok:
Ein Messerangriff ist kein fairer Kampf und kein Duell. Er ist fast immer ein Überfall. Die Vorstellung, man könne einen Angreifer „kommen sehen“, rechtzeitig reagieren und das Messer dann irgendwie kontrollieren, ist in den meisten Fällen eine Illusion. Viele Betroffene realisieren überhaupt erst, dass sie angegriffen wurden, nachdem sie bereits verletzt sind.
Aufmerksamkeit als erste Verteidigung
Der wichtigste Schutzfaktor gegen Messerangriffe ist nicht Technik, Kraft oder Mut, sondern Aufmerksamkeit. Die meisten Opfer befinden sich zum Zeitpunkt des Angriffs geistig im Autopilot: abgelenkt durch das Smartphone, in Gedanken, mit Kopfhörern oder schlicht davon überzeugt, dass „hier schon nichts passieren wird“. Genau dieser Zustand macht Menschen zu leichten Zielen.
Wer sich hingegen mit entspannter, aber bewusster Aufmerksamkeit bewegt, erkennt Auffälligkeiten früher. Dazu gehören Personen, die ungewöhnlich nah kommen, die Hände verborgen halten, den eigenen Weg kreuzen oder gezielt fixieren. Es geht dabei nicht um Paranoia, sondern um Wahrnehmung. Aufmerksamkeit kostet wenig – Unaufmerksamkeit kann tödlich sein.
Distanz ist Leben
Kommt es zu einer konkreten Bedrohung, gilt eine einfache, aber kompromisslose Regel: Distanz rettet Leben. Messer sind auf kurze Entfernung extrem überlegen. Jeder Meter Abstand erhöht die Überlebenschance erheblich.
Flucht ist deshalb immer die beste Option. Wer frühzeitig ausweicht, Richtungen wechselt, Hindernisse nutzt oder Abstand vergrößert, zwingt den Angreifer aus seinem Vorteil heraus. Autos, Tische, Türen oder andere Barrieren sind dabei keine Garantie für Sicherheit, können aber wertvolle Sekunden verschaffen.
Sackgassen hingegen sind fatal und sollten, wenn irgend möglich, vermieden werden. Eine schnelle, entschlossene und ausreichend weite Flucht rettet leben.
Nicht schützt so sicher vor einem Messerangriff wie einige hundert Meter Abstand!
Dies betrifft insbesondere auch das (wenn auch menschliche) Bedürfnis stehenzubleiben und zuzusehen bzw. in der heutigen Zeit mit dem Handy zu Filmen. Im verlinkten Video können wir u.A. erkennen, dass der Filmende bei erkannter Gefahr Abstand gewinnt UND eine Barrikade zwischen sich und die Gefahr zu bringen versucht – aber dennoch potenziell im Gefahrenbereich bleibt. Ebenso sehen wir bei mehreren anderen Personen, dass sie stehen bleiben und die Lage aus einigen Metern betrachten.
Das ist wohlgemerkt keine „Kritik aus dem Elfenbeinturm“ – es ist ein vergleichsweise häufiges Verhalten in einer unerwarteten Extremlage. Gerade und insbesondere dann, wenn kein besserer Plan (wie etwa: FLUCHT!) im Kopf besteht.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Eine solche extreme Gefahrenlage führt schnell zu einem Tunnelblick, was wiederum zu Sekundärgefährdungen führt… oder etwas weniger akademisch: fliehen Sie schnell und entschlossen, aber rennen Sie dabei nicht vor einen Bus!
Im 2. Teil werden wir weitere Optionen (wenn eine Flucht unmöglich ist) betrachten sowie auf die essenziellsten Regeln der Ersten Hilfe bei Stich- und Schnittverletzungen eingehen.
Stay aware, stay safe!
Alex





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